Alpenfreu(n)de II Ach du, mein Österreich
Österreicher machen in Tourismus und jodeln. Und sonst? Mit der EM haben wir endlich einen Anlass, den subtilen Glamour unserer Nachbarn vorzustellen. Eine Ode an Austria von David Baum.
© REUTERS
Die Lauterbachs, die Ochsenknechts, der Schönheitschirurg Dr. Mang samt Gattin und wer da noch aus der Society des deutschen Nachbarlandes angereist ist, verstehen das tirolerische Kauderwelsch zwar nicht so genau, aber das ist auch nicht so wichtig. „Das muss Österreich sein“, sagt ja schon die aktuelle Fremdenverkehrswerbung des Alpenlandes, und so freut man sich, so volkstümlich willkommen geheißen zu werden – und da angekommen zu sein, wo man ja auch hin wollte: in einem zünftigen Klischee.
Die Wirtin dreht sich hastig um und flüstert harsch in Richtung Barpersonal: „Habts de Schnäps fia de Deitschn fertig?!“ Und da sieht man diese Anspannung in ihrem Gesicht, plötzlich merkt man: Diese Frau verrichtet gerade einen harten Job, das Österreichischsein ist ihre Profession, neben der Jodeleinlage das Kampflächeln ihre größte Kunst.
„Volk begnadet für das Schöne …“
Endlich Österreich. So lautet ein anderer Slogan der Firma „Österreich Werbung“, jener staatlichen Werbeagentur, die nur ein Produkt hat, das es zu vermarkten gilt: das Land an sich. Schließlich sind die Rohstoffe und Industriezweige der Alpenrepublik begrenzt, nur von einem kostbaren Gut hat Österreich raue Mengen zur Verfügung und fördert diese wie die OPEC Öl: jene süßliche Wohlfühlkultur mit hohem Entertainment-Wert, eingebettet in eine atemberaubende Landschaft.
Wofür Deutsche, Japaner, Amerikaner wie auch Russen tief in die Tasche greifen. Nun, da die Fußball-Europameisterschaft endlich nach Österreich gekommen ist – und ja auch in dieses andere Alpenland im Westen – gilt es mehr denn je, sich zu vermarkten und wohlfeil zu präsentieren.
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