Brauchtum50 Jahre Christkindpostamt Himmelpforten

© dpa / Ingo Wagner
In Himmelspforten wird die Post des Weihnachtsmann verwaltet.

Wie in den Jahren zuvor rechnet er mit 50 000 Briefen – und alle Kinder bekommen Antwort.

Denn in Himmelpforten, der Name geht auf das mittelalterliche Zisterzienserinnen-Kloster Porta coeli zurück, vermuten die kleinen Briefeschreiber den Weihnachtsmann oder das Christkind – je nach kulturellem Hintergrund. „Himmelpforten hat sich den Beinamen Christkinddorf schützen lassen“, sagt Bürgermeister Lothar Wille (60). Zwar beschränkt sich der Weihnachtstourismus bisher auf Gäste des Christkindmarktes in der Adventszeit. Doch weil inzwischen das ganze Jahr über nach dem Mann mit dem Rauschebart gefragt wird, ist im Jubiläumsjahr die Ausstellung „1000 Weihnachtsmänner“ eröffnet worden, die künftig ganzjährig zu sehen sein soll.

Weltweit bekannt ist Himmelpforten durch sein Christkindpostamt. Vor 50 Jahren hatte die achtjährige Bärbel Rosendahl, Tochter eines örtlichen Gastwirts, einen Brief „An den Weihnachtsmann“ beim damaligen Himmelpfortener Postamtsleiter abgegeben. „Als die gewünschte Puppe unter dem Weihnachtsbaum lag, sprach sich das schnell unter dem Himmelpfortener Kindern herum“, erinnert sich die heute 58-Jährige. Nach ersten Zeitungsberichten kam bald Post aus ganz Deutschland an den Weihnachtsmann.

27 ehrenamtliche Helfer stehen Wolfgang Dipper als Leiter des Christkindpostamtes heute zur Seite. Unter ihnen ist der 87-jährige Hermann Bardenhagen. Von 1967 bis 1990 leitete er das Himmelpfortener Postamt hauptamtlich, doch auch dem Pensionär macht der Weihnachtseinsatz jedes Jahr immer noch viel Freude. „Die Wünsche der Kinder haben sich verändert“, beobachtet Bardenhagen. „Heute interessieren sie sich für Hightech wie Spielkonsolen oder MP3-Player.“

Wolfgang Dipper ist als Beschäftigter der Deutschen Post, die auch Material, Sonderstempel und Porto zahlt, die einzige hauptamtliche Kraft im Christkindpostamt. Aber auch Tochter Ronja (18) und Sohn Mika (14) helfen seit zwei Jahren bei der himmlischen Korrespondenz. Vier Wochen vor dem Fest sind schon rund 3000 Briefe eingetroffen. „Mir fällt auf, dass auch immer mehr Sorgenbriefe dabei sind. Es stimmt mich schon traurig, wenn schon Grundschulkinder von Hartz IV oder der Trennung der Eltern schreiben und sich wünschen, dass alles wieder gut wird“, sagt Dipper. Diese Kinder bekommen einen persönlichen, von Hand geschriebenen Brief. Ansonsten versendet das Christkindpostamt vorgedruckte weihnachtlich Antwortschreiben.

So macht es auch das Weihnachtspostamt im Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür, das seit 1965 Kinderbriefe erhält. Sie werden von Kräften der Deutschen Post AG beantwortet. Postamtsleiter Karlheinz Dünker (69) antwortet in diesem Jahr zum ersten Mal für ein Kind, das noch gar nicht auf der Welt ist: „Die Mutter hat geschrieben, dass sie ein Christkind erwartet und sich für den Nachwuchs einen Sonderstempel wünscht. Da geben wir uns natürlich beim Schreiben besondere Mühe.“

Quelle: dpa
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