Die Bachelor-Frauen in der StilkritikMit Press-Dekolletés und Billigkleidern zum Mann

© RTL/Stefan Gregorowius

Es ist schon befremdlich. 20 Frauen kämpfen um einen Mann, fahren in der Limousine vor, um ihn einzeln zu begrüßen. Kreischen oder flüstern allesamt „Oh Gott das ist er“, „Er hat schwarze Haare“, „Er sieht so gut aus“, „Ich bin ja so aufgeregt“ und rutschen mit ihren halbherzig bedeckten Pobacken auf den Lederrücksitzen herum, bevor sie ihm in zurecht gezubbelten Minikleidern unter die Augen treten. Zentimeterdick Puder auf der Stirn, billigen Lipgloss auf den Lippen und nur wenige Sekunden Zeit, um bei ihrem Traummann einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Was extrem wichtig ist. Schließlich muss „Der Bachelor“ in der gleichnamigen Reality-TV-Show von RTL am Ende dieses ersten Abends schon fünf von ihnen nach Hause schicken.

Und jede will mit einer seiner Rose in die zweite Runde der Liebes-Casting-Show einziehen. Schließlich ist der schöne Jan nicht nur schön, sondern auch Rechtsanwalt. Alle scheinen sich auf den ersten Blick verguckt zu haben. Vielleicht seines Charmes wegen. Vielleicht, weil alles einem Drehbuch folgt. Vielleicht aber auch, weil die künstliche Verknappung der Ware Mann das Begehren steigert.

Die Bachelor-Kandidatinnen

Wobei das Wort „Ware“ in diesem Fall eher auf die Teilnehmerinnen zutrifft. Um sie der Presse und Öffentlichkeit vorzustellen, bot RTL schon im Vorfeld Bikini-Fotos der Bachelorettes an und da begann das Fremdschämen. Manche posierten offensichtlich ein bisschen beschämt weil sie mussten. Andere ahmten klischeehafte Männermagazin-Bikini-Posen mit viel Elan nach und wieder andere ließen ahnen, dass sie nicht zum ersten Mal so leicht bekleidet vor der Kamera standen. Ex-Playmate Nicole zum Beispiel, oder Erotikmodel/Sexspielzeug-Promoterin Melanie.

Die weiblichen Waffen wurden also gleich zur Schau gestellt, dann mit Push-Up-BHs verschärft und schließlich dem Bachelor fast bedrohlich vor die Nase gehalten. Die „Barbie“ Nina, wie er sie liebevoll nannte, verpackte ihre Kurven in einem fuchsiafarbenen, gerafften Kleid, das sonst wahrscheinlich Brautjungfern in der „Boutique Irene“ kaufen. Dazu Glitzerkreolen, Fake-Nägel, blonde Wallemähne. Wirtschaftsrecht-Studentin und selbsterklärte Modeliebhaberin Chantal griff zwar den Trend „Cut-out statt Dekolleté“ auf, dafür rutschte ihr aber der BH unten aus dem zu knappen Kleid. Nicht besser erging es Nancy. Auf Anraten der anderen Kandidatinnen hatte sie für ihren großen Auftritt den BH unterm Hauteng-Dress gleich ganz weggelassen. Die Konsequenz? Nippel-Alarm! Und bei Nicole wusste Bachelor Jan gar nicht mehr, wo er hinsehen sollte.

Schließlich sprangen im zwei Riesenbrüste aus der aufgeknöpften Bluse ins Gesicht. Das modische Fazit der ersten Sendung: billige Glanzstoffe wie aus einem Karnevalsladen und nur wenige schöne Ausnahmen (siehe Bildergalerie). Welch positive Überraschung im Fremdschäm-Spektakel, dass der Bachelor gerade von jenen begeistert schien. Von Mignon in der glitzernden One-Shoulder-Kreation zum Beispiel. Sie brachte ihn so aus dem Konzept, dass er den Ausdruck „Filet Mignon“ nicht für ein Steak, sondern für eine französische Chanson-Sängerin hielt. Apropos Fleisch. Die meisten anderen Kandidatinnen gingen bei der Eigenwerbung in die Vollen und zeigten ihres.

© RTL/Stefan Gregorowius
Der Bachelor Jan

Auch was den Zickereien angeht, dürfen wir uns wohl auf einiges gefasst machen. Dass sie keine Freundinnen sucht, sondern einen Mann, stellte Kamika nüchtern fest. Und: Wie ein Forscherteam aus Spanien, den Niederlanden und Argentinien in einer Studie jüngst herausfand – die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift „Revista de Psicología Social“ veröffentlicht – sind Frauen schon im Beruf besonders eifersüchtig, wenn andere attraktiver sind. Außerdem neidisch, wenn die Rivalinnen mächtiger sowie dominanter sind. Vor allem, wenn ein hohes Maß an sexuellem Wettkampf herrscht. Wer diese Erkenntnisse auf „Der Bachelor“ überträgt, sieht vor dem inneren Auge schon die Billo-Fetzen fliegen. Schade darum wäre es nicht.

Quelle: Veronika Schaller
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