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Ellen Page ist „Juno“. Foto: Claudio Onorati

In der Tat, Jason Reitman („Thank You for Smoking“), der Sohn des Hollywood-Regisseurs Ivan Reitman, hat eine wunderbar quirlige, schlagfertige Teenagerkomödie inszeniert. Wie Pingpong-Bälle fliegen uns die Pointen um die Ohren, die nicht immer jugendfreien, aber meist schreiend komischen Dialoge kommen wie aus der Pistole geschossen daher. Es gibt viel zu lachen, manchmal schießen die verbalen Duelle über das Ziel hinaus. Trotzdem hat Drehbuchautorin Diablo Cody, die in jüngeren Jahren ihre Brötchen auch schon einmal als Stripperin verdiente, den Oscar völlig zu recht bekommen.

„Juno“ (Vox. 20.15 Uhr) erzählt die Geschichte der 16-jährigen Juno MacGuff (Ellen Page), die nach einem eher freudlosen „ersten Mal“ mit ihrem Mitschüler Paulie Bleeker (Michael Cera) schwanger wird. Anstatt in Depressionen zu verfallen, beschließt die selbstgewusste Göre zusammen mit ihrer besten Freundin Leah (Olivia Thirlby), ein Elternpaar für das Kind zu finden.

Junos Vater und ihre Stiefmutter unterstützen sie dabei, und bald ist auch das passende Pärchen gefunden: die 30-jährige Vanessa Loring (Jennifer Garner) und ihr Mann Mark (Jason Bateman) wünschen sich anscheinend nichts sehnlicher als ein Kind. Aber das wohlhabende Bilderbuch-Ehepaar ist viel weniger perfekt, als es die durchgestylte Fassade vermuten lässt. Vanessa entpuppt sich als total verunsicherter Kontroll-Maniac, und Mark träumt nicht von Vaterfreuden, sondern von einer Karriere als Rockmusiker.

Aber Juno gibt nicht auf. Vom traurigen Herbst über einen harten Winter bis zum hoffnungsvollen Frühling verliert sie ihren Humor nicht. Telefoniert stundenlang mit ihrem „Hamburger-Telefon“, sitzt in einem hässlichen Sessel mitten im Garten und beobachtet eine Gruppe sportlicher Jungs in ihren orangefarbenen kurzen Hosen beim Lauftraining. Die joggen zu jeder Jahreszeit durch die Gegend, ein Anblick so absurd wie die ganze Situation, in der die Schülerin mit ihrem anschwellenden Bauch steckt.

Aber dank der hervorragenden Schauspieler rutscht die eigentlich recht simple Geschichte, die nicht ganz frei von Stereotypen ist, nie ins Banale ab. Wunderbar auch der Soundtrack des Films, mit Songs von den Moldy Peaches, Kimya Dawson, Cat Power, Velvet Underground und anderen Indie-Stars. Am Ende sitzen Juno und Paulie zusammen vor dem Haus und spielen Gitarre. Sie haben eine harte Prüfung bestanden. Aber sie mögen sich immer noch. Das Leben beginnt.

Quelle: dpa