Film Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

14.02.2013

 

Im Rennen um den Goldenen Bären der 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind 19 Filme aus aller Welt. Die Nachrichtenagentur dpa schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.
© dpa / Sven Hoppe
Regisseur David Gordon Green (M) mit seinen beiden „Straßenbauarbeitern“ Emile Hirsch (l) und Paul Rudd.
- „In the Name of“ („W imie...“) von Malgoska Szumowska (Polen): Einem schwulen Priester in der polnischen Provinz fällt die selbst gewählte sexuelle Enthaltsamkeit immer schwerer. PRO: Sensible Studie über die seelische Not von Homosexuellen in der katholischen Kirche. CONTRA: Am Ende wird die feinfühlige Erzählung von hölzerner Dramaturgie zunichtegemacht.

– „Promised Land“ von Gus Van Sant (USA): Hollywoodstar Matt Damon soll als Mitarbeiter einer Erdgasfirma die Bewohner einer Kleinstadt überzeugen, die Förderrechte für das Erdgas unter ihrem Farmland an einen Energiekonzern zu verkaufen. PRO: Starke politische Botschaft, starker Schauspieler. CONTRA: Absehbares Happy End.

– „Paradies: Hoffnung“ von Ulrich Seidl (Österreich): Abschluss von Seidls „Paradies“-Trilogie, in dem er von einem Diätcamp für Jugendliche erzählt. PRO: Überzeugt mit fast dokumentarischer Strenge und genauer Beobachtung des Erwachens jugendlicher Sexualität. CONTRA: Die Erwachsenen-Figuren sind eher Karikaturen als eigenständige Charaktere.

– „Dolgaya schastlivaya zhizn“ („Ein langes und glückliches Leben“) von Boris Khlebnikow (Russland): Junger Bauer auf der nordrussischen Kola-Halbinsel gerät mit den Behörden in Konflikt, weil er sein gepachtetes Land nicht gegen eine Abfindung an einen Provinz-Karrieristen abgeben will. PRO: Existenzielles Drama in beeindruckender Natur. CONTRA: Teils übertrieben wackelige Handkamera nervt.

– „Gold“ von Thomas Arslan (Deutschland): Nina Hoss als deutsche Auswanderin, die sich mit einer Gruppe Gleichgesinnter auf den beschwerlichen Weg zur Goldsuche im kanadischen Klondike-Fluss aufmacht. PRO: Lakonische, fast dokumentarische Erzählweise. CONTRA: Bei aller Authentizität bleiben die großen Kinoemotionen etwas auf der Strecke.

– „The Necessary Death of Charlie Countryman“ von Fredrik Bond (Schweden): Starbesetzte Story mit Shia LaBeouf, Evan Rachel Wood, Mads Mikkelsen und Til Schweiger. PRO: Gewagte Mischung aus Thriller, Romanze und Selbstfindungstrip. CONTRA: Ausgefranste Farce, die zwanghaft lustig sein will – not necessary!

– „Gloria“ von Sebastián Lelio (Chile): Eine Frau Ende 50, geschieden und mit zwei erwachsenen Kindern, träumt noch einmal den Traum von der großen Liebe. PRO: Gelungene, gefühlvolle Gratwanderung zwischen Komik und Tragik, Lebenslust und Melancholie. CONTRA: Stilistisch wenig aufregend.

– „Die Nonne („La Religieuse“) von Guillaume Nicloux (Frankreich): Junges Mädchen wird im 18. Jahrhundert von ihren Eltern gezwungen, ins Kloster zu gehen. PRO: Der Film steht und fällt mit der grandiosen Hauptdarstellerin Pauline Étienne. CONTRA: Bisweilen zu theatralisch.

– „Vic+Flo haben einen Bären gesehen“ („Vic+Flo ont vu un ours“) von Denis Côté (Kanada): Eine gerade aus dem Gefängnis entlassene Frau sucht in den Wäldern Kanadas im Haus eines Verwandten Ruhe und bekommt Besuch von ihrer Geliebten. PRO: Skurriler Film über die dunklen Seite der Liebe mit sehr präsenten Schauspielerinnen. CONTRA: Versuch eines philosophischen Horrorfilms, der seine Charaktere aber zu skizzenhaft anlegt.

– „Die Stellung des Kindes“ („Pozitia Copilului“) von Calin Peter Netzer (Rumänien): Schwierige Mutter-Sohn-Beziehung in einer korrupten Gesellschaft. PRO: Über eine persönliche Tragödie wird die Tragödie einer Gesellschaft erzählt, die alle Menschlichkeit an Geld- und Machtgier verkauft. CONTRA: Sehr kühl inszeniert, deshalb fühlt der Zuschauer mit keiner der Figuren so richtig mit.

– „Layla Fourie“ von Pia Marais (Südafrika): Alleinerziehende Mutter aus Johannesburg überfährt einen Mann und verstrickt sich anschließend in ein Netz aus Lügen, um ihren Job nicht zu verlieren. PRO: Intensive Momentaufnahmen vom Alltag in Südafrika. CONTRA: Völlig konstruierte Story mit etlichen logischen Fehlern.

– „Geschlossener Vorhang“ („Pardé“) von Jafar Panahi und Kambozia Partovi (Iran): Heimlich und ohne Genehmigung der iranischen Behörden gedrehter Film über von dem Regime verfolgte Menschen. PRO: Symbolisch aufgeladenes Werk, das die Eingeschlossenheit der von ihrem eigenen Land drangsalierten Menschen spürbar macht. CONTRA: Kammerspiel, das ein gewisses Vorwissen über die Lage der iranischen Filmemacher voraussetzt.

– „Side Effects“ von Steven Soderbergh (USA): Ein ehrgeiziger junger Psychiater will den dramatischen Nebenwirkungen eines Antidepressivums auf die Spur kommen. PRO: Spannender Psychothriller über die Machenschaften von Pharmakonzernen. CONTRA: Mancher Zuschauer mag das Genrekino für solch ein brisantes Thema nicht geeignet finden.

– „Camille Claudel 1915“ von Bruno Dumont (Frankreich): Die französische Bildhauerin Camille Claudel, Schwester des Dichters Paul Claudel, wird von ihrer Familie von 1915 an bis zu ihrem Tod in eine psychiatrische Anstalt gesperrt. PRO: Brillante Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Juliette Binoche. CONTRA: Dem Zuschauer wird die Zeit im Kino fast so lang wie Camille das Warten auf die erhoffte Befreiung aus der Anstalt.

– „An Episode in the Life of an Iron Picker“ („Epizoda u zivotu beraca zeljeza“) von Danis Tanovic (Bosnien und Herzegowina): Eine Roma-Familie spielt eine Episode aus ihrem eigenen Leben nach. Weil die Familie das Geld für die Krankenhausbehandlung der Mutter nicht bezahlen kann, stirbt die schwangere Frau fast. PRO: Starker Blick auf die Wirklichkeit. CONTRA: Der Winter als Symbol für das harte Leben der Roma wird überstrapaziert.

– „Prince Avalanche“ von David Gordon Green (USA): Zwei Straßenbauarbeiter verbringen den Sommer mit der Markierung von Fahrbahnen in einer von Bränden gezeichneten Waldgegend. PRO: Skurrile Wiederbelebung des Lebensgefühls der 1980er Jahre. CONTRA: Story zu dünn und harmlos.
Quelle: dpa
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar