FilmCosta-Gavras wird 80: Griechischer Kampfgeist

© dpa / Andreu Dalmau
Costa-Gavras wird 80.

Dass er zu einem Widerstandskämpfer mit der Kamera geworden sei, lag deshalb in der Natur der Dinge. Schließlich sei er Grieche, wie der Regisseur vor wenigen Monaten in einem Interview mit der französischen Wochenzeitung „Le Nouvel Observateur“ sagte.

Costa-Gavras lebt seit bald 60 Jahren in Frankreich. Geboren wurde der Filmemacher und Drehbuchautor, der jetzt 80 Jahre alt wird, jedoch in Loutra-Iraias, einem kleinen Dorf in Arkadien, einer Gegend im Zentrum der Peloponnes.

In „Le Capital“ geht er mit der Welt der Finanzen ins Gefecht. Er erzählt den skrupellosen Kampf um die Übernahme einer französischen Bank und den Aufstieg und Fall eines Finanzhais. „Es sind die Ökonomen und die Finanzverwalter, die heutzutage die Länder und die Europäische Union regieren. Außerdem wird die Wirtschaft in der ganzen Welt maßgeblich von den amerikanischen Banken bestimmt“, empörte sich der Regisseur. Man lebe in einem kapitalistischen System, das völlig aus den Angeln geraten sei. Man bräuchte nur auf Griechenland und Spanien zu blicken.

Die Idee zu diesem Film ist nicht erst mit der Finanzkrise in seinem Geburtsland entstanden. Das sei ein altes Projekt, das bereits nach seinem Erfolgsfilm „Z“ entstanden ist. Der Film aus dem Jahr 1969, für den er zwei Oscars erhielt, thematisiert den Mord an einem griechischen Oppositionsabgeordneten. Ihm folgten zwei weitere Filme, in denen er Menschenrechtsverletzungen aufarbeitete. In „Das Geständnis“ griff er einen Schauprozess kommunistischer Machthaber auf und in „Der unsichtbare Aufstand“ beleuchtete er die Verbindung der USA mit der Junta in Uruguay.

Zwischen „Z“ – dem Meisterwerk des Genres – und „Le Capital“ liegen über 40 Jahre und mehr als 20 Filme, in denen sich der Regisseur als unbequemer Zeitzeuge und Überzeugungstäter treu geblieben ist. In „Missing“ geht es um den Militärputsch in Chile, in „Verraten“ (1988) um das Thema Rassismus in den Vereinigten Staaten und in „Music Box“ um in den USA untergetauchte Nazi-Kriegsverbrecher. Ein Film, der besonders viel Schlagzeilen machte, war „Amen“ nach dem Stück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth. Darin zeigt er das Verhalten des Vatikans gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus auf.

In seinem Spätwerk rückte der Altmeister subtilere Gewaltformen und Machtspiele in den Vordergrund. Die Heucheleien der Medien nahm er in „Die kleine Apokalypse“ und „Mad City“ ins Visier. In „Die Axt“ und „Eden in West“ zeichnet er jeweils durch die Lebensgeschichte eines Arbeitslosen und eines Einwanderers Porträts einer Gesellschaft, die soziale Armut und Gewalt auslöst.

„Ein Intellektueller muss ständig in der Opposition sein, damit etwas herauskommt“, erklärte der Antifaschist, der während der Militärdiktatur nach Frankreich ausgewandert ist und dessen eigene Lebensgeschichte sich in den Filmen widerspiegelt. Sein Vater, ein in Odessa geborener und nach Griechenland ausgewanderter Russe, war während des Zweiten Weltkriegs Widerstandskämpfer gegen die Deutschen und kam mehrmals in Haft. Als 19-Jähriger wurde er selber zum Emigranten, der in Athen eine vielversprechende Karriere als Tänzer aufgab und nach Paris ging, um dort – zumindest in teilweiser Freiheit – arbeiten und leben zu können.

Quelle: dpa
Google-Anzeigen
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar