FilmGroßformatige Kinokunst: Gemalte Filmplakate

© dpa/Ingo Wagner
Katrin Wulfers arbeitet an dem Plakat zu dem Film „Madame Mallory und der Duft von Curry“.
Großformatige Kinokunst: Gemalte Filmplakate

So arbeitet sie Schicht für Schicht, bis der Hintergrund fertig ist. Zuletzt malt sie die Köpfe der Schauspieler aus. Wenige Tage später wirbt das Plakat vor der Bremer Schauburg für Mirrens neuen Film „Madame Mallory und der Duft von Curry.“

Wulfers ist eine von wenigen Filmplakatmalern in Deutschland. „Das ist mein Traumjob“, sagt die 49-Jährige. Auch wenn dieser angesichts der Spezialeffekt-Orgien auf den Kinoleinwänden ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Seit Jahrzehnten setzt die Schauburg auf handgemalte Plakate. Das konnte und wird auch die moderne Technik nicht ändern. In Bremen sind sie einfach Kult. „Der Besitzer ist ein Nostalgiker“, meint Wulfers.

Nostalgie kann sie sich dagegen nicht leisten: Jedes ihrer Kunstwerke ist nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Wochen übermalt sie es mit dem nächsten Motiv - ohne jegliche Reue. „Das ist eine Dienstleistung“, sagt Wulfers achselzuckend. „Es geht mir um das Malen an sich. Da bin ich in meiner eigenen Welt.“

Wulfers arbeitet meist nachts. Ihr Klavierzimmer wird dann zum Atelier. Vor der rund drei Quadratmeter großen Leinwand liegen Zeitungen ausgebreitet. Ein Episkop wirft das Originalfilmmotiv von „Madame Mallory“ auf die weiße Fläche. Mit schwarzer Acrylfarbe und einem dünnen Pinsel zeichnet Wulfers die Umrisse nach. „Ich kann mich da natürlich nicht voll ausleben.“ Trotzdem prägt sie jedes Plakat ein bisschen mit ihrem eigenen, etwas comicartigen Stil.

Alle zwei Wochen liefert sie ein neues Plakat an die Schauburg. 400 bis 500 Euro gibt das Programmkino im szenigen Steintor-Viertel jedes Mal für die einzigartige Filmwerbung aus. „Der Verleih beteiligt sich an den Kosten. Der Hauptteil bleibt aber an uns hängen“, sagt Leiter Robert Erdmann. Von ihrem Traumjob allein kann Wulfers nicht leben. Deshalb verdient sie ihr Geld auch als selbstständige Grafikdesignerin und mit Malkursen an der Volkshochschule.

Bei ihrem Münchner Kollegen René Birkner ist es genau andersherum. Seit 27 Jahren reproduziert er Filmplakate für drei Kinos in der bayerischen Landeshauptstadt. Rund 40 Quadratmeter misst allein die riesige Werbefläche des Filmtheaters am Sendlinger Tor. Um die zu füllen, muss der 58-Jährige regelmäßig Nachtschichten schieben. „Ich ernähre damit meine Familie.“ In der übrigen Zeit malt er abstrakte Bilder. „Das ist meine Leidenschaft.“

Wie viele Kinoplakatmaler es in Deutschland gibt, können selbst die Branchenexperten von der AG Kino, der Gilde der deutschen Filmkunsttheater, nicht sagen. „Das wird höchstens eine Handvoll sein“, meint Geschäftsführer Felix Bruder. Ganz aussterben wird die Zunft wohl nicht. Denn es wird immer Liebhaber der gemalten Plakate wie die in Bremen, München oder die Yorck-Kinos in Berlin geben. „Wir machen das, seitdem wir denken können“, sagt Daniel Sibbers von der Yorck-Gruppe, die vier ihrer Häuser mit der besonderen Werbung bestückt. „Das ist nicht nur Nostalgie. Es ist eine Kunstform.“

Um neue Aufträge müssen sich Wulfers, Birkner und ihre Kollegen jedenfalls nicht sorgen: Der nächste Kinofilm kommt bestimmt.

Quelle: dpa