FilmHauschka in Hollywood: „Ganz locker“ zu den Oscars

© dpa/Barbara Munker
Hauschka sieht das alles ganz entspannt.
Hauschka in Hollywood: „Ganz locker“ zu den Oscars

Mitten im Oscar-Rummel wirkt Volker Bertelmann völlig entspannt. Dreitage-Bart, leicht zerzauste Haare, zum Plaudern aufgelegt. Er kommt in Fahrt, wenn er über „Lion“, Preisverleihungen und seine künstlerische Arbeit spricht.

Der Düsseldorfer, mit dem Künstlernamen Hauschka, sitzt nicht in einem schicken Hotel, wo Oscar-Anwärter gewöhnlich Interviews geben. Er wohnt im Grünen, am Stadtrand von Los Angeles, im Haus und Studio seines Freundes und Kollegen Dustin O’Halloran.

Hier komponierten sie vor einem Jahr über mehrere Wochen hinweg den Soundtrack für „Lion“, der ihnen am Sonntag ihren ersten Oscar bescheren könnte. Der Film mit Dev Patel und Nicole Kidman erzählt die wahre Geschichte eines indischen Jungen, der als Fünfjähriger verloren geht, sich als Straßenjunge durchschlägt, von einem australischen Paar adoptiert wird und später seine leibliche Familie sucht. 

„Dem ganzen Team ist das Thema ziemlich ans Herz gewachsen“, sagt Bertelmann. „Das ist ein sehr hoffnungsvoller Film. Gerade in einer Zeit wie heute finde ich eine Zuwendung zu menschlichen Werten unglaublich wichtig“. So etwa könnte auch die Dankesrede auf der Oscar-Bühne ausfallen, meint der 50-Jährige, doch Chancen rechnet er sich nicht wirklich aus. Für alle wichtigen Preise war das Duo schon nominiert, auch bei den Golden Globes und den Baftas, immer gewann der „La La Land“-Soundtrack. „Die werden die Preise abstauben, alles andere wäre echt eine Überraschung“.

Traurig klingt das nicht. Schon die vielen Nominierungen in dieser Preissaison sind für den Düsseldorfer die Bestätigung, dass er nun auch als Filmkomponist in Hollywood angekommen ist. Das war ein langer Weg.

Mit neun Jahren fing Bertelmann mit dem Klavierspielen an, mit 18 komponierte er Musik für die ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“. Dann ein abgebrochenes Medizinstudium, die Auflösung seiner Hip-Hop-Band God's Favorite Dog, viele Jahre als Lehrer an einer Musikschule. Erst mit Mitte 30 kehrte er im Studio ans Klavier zurück, nannte sich fortan Hauschka und brachte 2004 das erste Album heraus.

„Als ich als Hauschka anfing, haben mir viele Leute gesagt, du hast keine musikalische Karriere mehr, das ist einfach vorbei“, erzählt der Musiker. Doch er habe damals so viel Energie verspürt, eigene Platten rauszubringen, mit oder ohne kommerziellen Erfolg. Der jetzt weltweit tourende Indie-Musiker wurde vor allem durch seine Solo-Auftritte am „präparierten Klavier“ bekannt. Dazu manipuliert er die Saiten mit Gegenständen wie Korken und Bällen, um ganz besondere Klänge zu schaffen. Er macht auch Musik für Theaterstücke und komponiert für klassische Ensembles.

„Lion“-Regisseur Garth Davis hörte ein Konzert des Pianisten und Komponisten im australischen Melbourne. Schnell lag das Filmangebot auf dem Tisch. Die Herausforderung: „Wir mussten aufpassen, dass es nicht kitschig wurde“. Die Geschichte sei so bewegend, dass schon ein falscher Akkord eine Szene kippen lassen könnte, erklärt Bertelmann. 

Eine Hollywood-Karriere im Stil gestandener Filmkomponisten, wie John Williams und Hans Zimmer, sieht er für sich allerdings nicht. „Nur Filmmusik zu machen, würde mir den Saft für eine gewisse kraftvolle Arbeit entziehen“, meint der Musiker. Er brauche weiter die künstlerische Freiheit - losgelöst von allen Vorgaben. Ende März kommt seine nächste eigene Platte heraus - „What if“ heißt sie.

Doch jetzt steht die Oscar-Nacht bevor. Das müsse man „ganz entspannt und locker“ angehen. Schließlich hat er schon zig Auftritte hinter sich. „Bei den Critics Choice Awards saßen wir mit Nicole Kidman an einem Tisch“. Wie das bei den Oscars sein wird, wisse er aber nicht. Fest steht, dass Bertelmann diesmal seine Frau und die 19 Jahre alten Zwillingstöchter zur Gala mitnehmen wird. Sie haben auch noch einen vierjährigen Sohn.

Und der Marsch über den roten Teppich? Seine Frau und die Töchter seien etwas nervös, doch er liebe das irgendwie. Man sei auf dem Präsentierteller, aber als Komponist habe man es viel leichter, als die großen Stars. „Ich könnte nach der Show unerkannt aus dem Dolby Theater herauslaufen und zu Fuß ins Hotel gehen“, witzelt der Oscar-Anwärter. 

Das könnte sich mit zunehmender Bekanntheit einmal ändern. Denn nun hat Hollywood den deutschen Musiker entdeckt und die Verhandlungen für weitere Projekte laufen. „Es geht um zwei Filme, aber dazu  kann ich jetzt noch nicht mehr sagen“, entschuldigt sich Bertelmann. „Vielleicht in der Woche nach den Oscars.“

Quelle: dpa