„Können wir uns das leisten?“Wie Geld die Partnerschaft regiert

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„Ich muss dir ein Geständnis machen“, sagt der junge Mann kurz vor der Hochzeit. „Ich verdiene nur 1500 Euro im Monat. Wirst du damit auskommen?“ „Zur Not schon“, erwidert die Braut in diesem alten Witz. „Doch wovon willst DU leben?“

Der Mann, der das Geld nach Hause bringt, und die Frau, die es ausgibt – dieses Klischee trifft heute auf weit weniger Paare zu als in der Generation zuvor. Doch hat sich der Umgang von Eheleuten mit ihren Finanzen wirklich verändert? Viele glauben: Nein, im Gegenteil. Unser Verhältnis zum Geld ist archaisch.

Wenn sich Paare über Geld streiten, hängt dies meist damit zusammen, dass sie sich unbewusst mit den finanziellen Konflikten in ihren Herkunftsfamilien auseinandersetzen, glaubt der Frankfurter Sozialpsychologe Professor Rolf Haubl. Der „Geldstil“ eines Menschen werde früh geprägt und sei dann relativ stabil. „Über das Geld werden oft latente Beziehungskonflikte ausgetragen“, sagt Haubl, der auch Direktor des Sigmund-Freud-Instituts ist.

Für Männer bedeute Geld etwas anderes als für Frauen. Er verbinde Geld mit Erfolg und Macht, sie mit Sicherheit und Selbstständigkeit. In einer Gesellschaft, in der Geld eine so wichtige Bedeutung habe wie in unserer, würde es zu einem Medium, „das hinterrücks alle unsere Beziehungen strukturiert“, sagt Haubl. Er hält „monetäre Kompetenz“ für eine der wichtigsten Kulturtechniken. „Wir sollten nicht nur früh lernen, was wir mit Geld machen, sondern auch was Geld mit uns macht.“

Der Bad Homburger Konfliktberater Jochen Cunz erlebt nur selten Paare, die über Geld streiten. In mehr als zwanzig Jahren hat er fast 500 Paare durch Krisen begleitet. Die häufigsten Gründe für eine Beratung seien Probleme in der Gesprächskultur und mit der Sexualität. „Während der Beziehung oder während einer Ehe ist Geld ganz selten ein Thema gewesen“, berichtet der Therapeut. Allerdings komme das Thema oft nach einer Trennung auf. „Hier werden emotionale Schulden mit Geld verrechnet.“ Eine weitere Beobachtung: „Frauen spielen ihre Macht über die Kinder aus und Männer übers Geld.“

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Wer im Freundeskreis und in der Nachbarschaft rumfragt, trifft auf zwei Typen von Paaren. Die eine Gruppe sagt: „Wieso sollten wir unser Geld nicht teilen? Wir teilen alles andere ja auch: Kinder, Haus, Bett, Name – wieso also nicht das Konto?“ Die anderen meinen: „Mein Konto aufzugeben wäre undenkbar für mich. Es ist für mich der greifbarste Beweis, unabhängig zu sein.“ Sowohl die einen als auch die anderen kennen aus ihrer Kindheit Paare, in denen der Mann der Frau zum Monatsanfang das „Haushaltsgeld“ auszahlte.

Bei Banken ist wenig zu erfahren über die Frage, wie Paare heute mit Geld umgehen. „Interessante Frage“, finden alle – aber Antworten hat keiner. Thesen hingegen schon. „Dass Paare ausschließlich ein Gemeinschaftsgirokonto führen, wird bei Jüngeren seltener als bei deren Eltern vorkommen“, sagt ein Experte für den Bereich Girokonto-Strategie. Gründe: „Das Streben nach finanzieller Individualität und nach Unabhängigkeit führt tendenziell zu mehr Einzelkonten.“

Quelle: dpa
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