Interview mit Wolfgang Joop„Wunderkind ist erwachsener geworden“

© dpa / Soeren Stache

Bewegte Zeiten liegen hinter dem Modedesigner Wolfgang Joop. Sein Modelabel Wunderkind war angeschlagen, es gab statt neuer Kreationen Streit mit den früheren Miteigentümern um die Anteile. Seit März 2011 ist der 67-Jährige wieder alleiniger Eigentümer – nun sollen seine Entwürfe am Pariser Modehimmel erstrahlen. Es ist somit das zweite große Mode-Comeback in diesem Jahr nach Jil Sander. Für die erste Kollektionspräsentation nach längerer Pause kehrte Joop an den Ursprung Potsdam zurück. Mit der Nachrichtenagentur dpa sprach der Designer über seine Auferstehungskollektion:

Herr Joop, was bedeutet die neue Kollektion für Sie nach der Pause?
Wolfgang Joop: Berühmte Labels erfuhren in ihrer Geschichte kurze oder längere Unterbrechungen – beispielsweise Gucci, Helmut Lang oder Lanvin. Meist wurde ein Neuanfang zu einer Neuorientierung. Im Falle Wunderkind ist die Treue seiner Fans und die große Nachfrage der internationalen Klienten Herausforderung und Bestätigung zugleich für mich, den Neustart zu wagen. Ich trage natürlich doppeltes Risiko – das des Künstlers und das des Unternehmers.

Von Leo-Liebe bis Korallen-Knaller
Wunderkind, Wolfgang Joop, Herbst/Winter 12/13, Präsentation Potsdam, Herbst-Winter-Kollektion 2012

Welche Mode präsentieren Sie uns?
Wunderkind ist erwachsener geworden. Mit anderen Worten: luxuriös, elegant, avantgardistisch und gleichzeitig ganz bei sich selbst.

Welche Materialien haben Sie eingesetzt?
Fließende Jerseys in raffinierten Drapierungen. Chiffon, Alpaca und gekochte Wolle in Strick- und Webware. Delikate Prints in Ozelot-Optik gemixt mit gestreutem Mosaik.

Was hat Sie inspiriert?
Meinen Skizzenblock füllte ich im Dezember in Marrakesch. Bewusst oder unbewusst mischt sich ein orientalisch-märchenhaftes Frauenbild in Zitate der Haute Couture der 50er- und 60er-Jahre, wie sie die geheimnisvollen Heldinnen aus Hitchcocks Filmklassikern trugen.

Sind Sie nervös, wie Ihre Modelle ankommen werden?
Der sogenannte Last-Minute-Stress kommt bei Wunderkind schon lange nicht mehr vor. Wir haben gelernt, selbstbewusst und professionell zu arbeiten. „What you see is what you get!“ ist unser Motto.

Sie stellen die Kollektion in der Villa Rumpf vor. Vergangenen Sommer hieß es, Sie wollten das Haus verkaufen. Was ist aus den Plänen geworden?
Schon länger suchen wir nach größeren Räumen für Atelier und Verwaltung. Der einmalige Charme und die historische Bedeutung der Villa Rumpf sind allerdings für die „Auferstehungskollektion“ ein angemessener Rahmen, und ich bin glücklich, die Villa behalten zu haben.

Interview: Marion van der Kraats

Quelle: dpa