LeuteDie Promi-Geburtstage vom 06. Dezember 2012: Peter Handke

© dpa / Antonio Cotrim
Ein Autor mit Ecken und Kanten: Peter Handke wird 70.

Vor allem für seine Pro-Serbien-Haltung im Balkan-Konflikt musste er viel Kritik einstecken. Der gebürtige Kärntner, der seit Jahren im Pariser Vorort Chaville lebt, wird am Donnerstag (6. Dezember) 70 Jahre alt.

Handke wurde 1942 im kleinen Ort Griffen in Kärnten geboren. Erst mit 18 Jahren erfuhr er, dass nicht der aus Berlin stammende Ehemann seiner Mutter sein leiblicher Vater war, sondern ein verheirateter deutscher Sparkassenangestellter. Handke ging in ein katholisches Internat. Nach dem Abitur begann er mit einem Jura-Studium, das er nicht abschloss. Den Selbstmord seiner Mutter 1971 verarbeitete er mit der Erzählung „Wunschloses Unglück“.

Während des Studiums kam er erstmals in Schriftsteller-Kreise. 1966 erschien sein Debütroman „Die Hornissen“. Im selben Jahr wurde er gleichsam über Nacht bekannt: Bei einer viel diskutierten Schmährede in Princeton warf er dem legendären Literatenzirkel Gruppe 47 „Beschreibungsimpotenz“ vor. Die einen sahen es als furiose Selbstinszenierung, andere als Beginn einer kometenhaften Karriere. Seine Bekanntheit festigte sich einige Monate später endgültig, als Theatermacher Claus Peymann, einer seiner großen Förderer, die Uraufführung von „Publikumsbeschimpfung“ in Frankfurt zeigte.

Seitdem folgten mehr als 30 Erzählungen und Prosawerke. Während einige experimentelle Stücke für Aufregung sorgten, blieben die Salzburger Notate und Aufzeichnungen der 1980er Jahre weniger erfolgreich. Dafür wurde etwa das später von Wim Wenders verfilmte Werk „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (1970) zum klassischen Lesestoff für Oberstufen-Schüler. 2012 nahm er im Buch „Versuch über den Stillen Ort“ die Toilette zum Gegenstand philosophischer Betrachtungen.

Auch auf den Bühnen waren die Werke Handkes in all den Jahren – etwa mit „Kaspar“, „Die Reise zum sonoren Land“ oder „Untertagblues“ – präsent. 2011 gab es die Uraufführung von „Immer noch Sturm“ bei den Salzburger Festspielen.

Das schwermütige „Enfant terrible“ der deutschsprachigen Literaturszene sorgte mit seinem vehementen Einsatz für Serbien im Laufe seiner Karriere für viel Kopfschütteln. Seinen politischen Einsatz ließ er auch in seine Werke einfließen. 1999 führte Peymann, ein treuer Wegbegleiter Handkes, das viel kritisierte Stück „Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg“ im Wiener Burgtheater auf.

Handke, der selbst slowenische Wurzeln hat, verurteilt darin die Nato-Aktionen gegen Serbien als Verbrechen. Die Nato-Angriffe selbst nannte er „Invasionen vom Mars“ und westliche Kriegsberichterstatter bezeichnete er als „Kadaverschweine“.

Einen Höhepunkt der Aufregung um Handkes politische Ansichten gab es 2006, nachdem er bei der Beerdigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic eine Rede hielt. Den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf nahm er nach heftigen Debatten schließlich nicht an. Den als Reaktion auf die Debatte gestifteten Berliner Heinrich-Heine-Preis akzeptierte er und spendete das Preisgeld von 50 000 Euro einer serbischen Enklave.

„Ich habe nie Partei ergriffen. Ich habe dieses unerzählte Land erzählt. Ich habe immer Pathos und Nationalismus abgewehrt, wenn ich hier war“, erklärte sich Handke einmal in einem „Zeit“-Interview.

Handke, der zweimal verheiratet und einige Jahre mit der deutschen Schauspielerin Katja Flint liiert war, blieb immer ein Freigeist. Einer, der sich gegen die Massenmeinung stellte. Ein geradliniger Weg war für den zweifachen Vater Handke auch nie anstrebenswert, wie er einmal sagte: „Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.“

NAMEBERUFALTERGEBURTSDATUMGEBURTSORTGEBURTSLAND
APATOW, Juddamerikanischer Filmregisseur4506.12.1967SyossetUSA
HULCE, Tomamerikanischer Schauspieler5906.12.1953DetroitUSA
WILLIAMS, JoBethamerikanische Schauspielerin6406.12.1948HoustonUSA

Quelle: dpa
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