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Die Queen feiert Geburtstag

Die Sonne scheint, Marschmusik erklingt. Aus ihrer Kutsche winken die Royals der jubelnden Menge zu. Doch so richtig froh ist am offiziellen Geburtstag der Queen niemandem zumute.

London (dpa) - Der Himmel über dem Buckingham-Palast ist strahlend blau. Doch die Stimmung ist getrübt, als am Samstag in London die offizielle Geburtstagsfeier von Queen Elizabeth II. ansteht. Die Ereignisse der vergangenen Wochen - zwei Terroranschläge und eine Brandkatastrophe - machen auch der Monarchin im zartblauen Kleid noch zu schaffen.

Es sei schwierig, der „sehr trüben Stimmung im Land zu entkommen“, sagt die 91-Jährige in einer Mitteilung vom Samstagmorgen. Auch kurze Zeit später während der Militärparade „Trooping the Colour“ ist die Königin - wie viele Briten - noch mit ihrer Trauer beschäftigt. In diesen schweren Zeiten, ist sie für viele ihrer Untertanen ein Fels in der Brandung.

„Wenn man sich in diesem Land auf eines verlassen kann, dann die Queen“, sagt der 78 Jahre alte Dan der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei Tradition und gebe den Briten Halt. Sein Enkel Daniel (12) ist zum ersten Mal bei der Parade dabei. Er ist begeistert, dass er die Queen aus der Nähe sehen kann.

Die andere wichtige Frau im Staat, Premierministerin Theresa May, hat dieses Jahr keine Zeit, zu den Feiern zu kommen. Sie trifft sich gerade um die Ecke in der Downing Street Nummer 10 mit Mitgliedern ihrer Regierung. Es geht um Hilfen für die Opfer der Brandkatastrophe am Grenfell Tower.

Danach trifft sie sich mit Opfern und freiwilligen Helfern und verspricht zusätzliche Mittel - unter anderem für die psychologische Betreuung von Rettungskräften und Angehörigen. Die Polizei geht inzwischen von 58 Toten aus. Die Zahl kann noch steigen. Zwischen 400 und 600 Menschen lebten Berichten zufolge in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau. 18 Verletzte sind am Sonntag noch im Krankenhaus, neun von ihnen in kritischem Zustand, meldet die Gesundheitsbehörde NHS.

May war in die Kritik geraten, weil ihre Regierung nach der Katastrophe nicht schnell genug reagiert habe. Wütende Demonstranten hatten noch am Abend vorher ihren Rücktritt gefordert. Auch hatte sie zunächst nur wenig Interesse für die Betroffenen gezeigt. Bei einem Besuch am Brandort blieb am Donnerstag keine Zeit für Gespräche mit den Opfern.

Die Queen und ihr Enkel Prinz William (34) waren da. Sie besuchten am Freitag eine Turnhalle, die den obdachlos gewordenen Einwohnern des 24 Stockwerke hohen Sozialbaus als Notunterkunft diente. Auf die Monarchin ist Verlass. Deswegen lieben sie die Briten.

Jo Brown (51) ist am Samstagmorgen ganz früh mit ihren Freundinnen aus dem Norden Londons gekommen, um einen guten Platz am Zugweg der Prachtstraße vor dem Buckingham-Palast zu bekommen. „Wir machen das schon im zweiten Jahr, weil wir die Royals und vor allem die Queen toll finden.“ Das Königshaus sei Tradition - nicht nur für Brown, auch für die Generation ihrer Tochter.

„Ich glaube, es sind aber weniger Menschen hierher gekommen, als vergangenes Jahr. Ich kann mir vorstellen, dass das mit den Terroranschlägen zusammenhängt“, sagt Brown. Dafür sind mehr Polizisten da. Die britischen Bobbys mit ihren runden Hüten und schweren Westen stehen mit den Zuschauern in der prallen Sonne, als die Parade vorüberzieht.

Noch heißer ist es für die Gardisten mit ihren Bärenfell-Mützen und roten Uniformen. Mindestens fünf von ihnen fallen während der Zeremonie um. Das passiert regelmäßig. Deshalb stehen die Tragen schon bereit. Auch Zuschauer müssen bei der Hitze behandelt werden.

Das Highlight - wie jedes Jahr - ist der Auftritt der Queen und von ihren Enkeln auf dem Balkon des Buckingham-Palastes am Ende der Zeremonie. Prinz George (3) und Prinzessin Charlotte (2) winken schon wie die Großen von der Balustrade. Sie sind die Zukunft der britischen Monarchie und jetzt schon die heimlichen Stars. Aber auf ihre Queen lassen die Briten nichts kommen.