MedienDie Diva, Thailand und wir!

© dpa/Dominik Elstner/BR/An der Gassen Film
Anneliese Behrens (Hannelore Elsner) und Susanne Neuendorff (Anneke Kim Sarnau) beim Shoppen.
Die Diva, Thailand und wir!

Diese Rolle scheint Hannelore Elsner wie auf den Leib geschrieben: Im Pelzmantel sitzt die Diva auf einem Sessel. Raucht. Mit Sonnenbrille und Kopfhörern.

Im Off setzt die Königin der Nacht aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ zur Rachearie an. Zwei Polizisten müssen sie auf dem Sessel aus der Wohnung tragen.

Das Leben der früheren Opernsängerin Anneliese Behrens naht im wahrsten Wortsinne dem Ende. Sie kann ihre Miete nicht mehr zahlen, wird aus dem Haus geschmissen. Zudem ist sie an einem Gehirntumor erkrankt, weshalb die Ärzte die Tochter der 72-Jährigen rufen. Zu der hat Behrens allerdings seit Jahren keinen Kontakt mehr - und schafft es so gerade, den Tumor zu verschweigen und sich nur als pflegebedürftig auszugeben. Das Erste zeigt die von beiden Seiten aus unfreiwillige Familienzusammenführung am Mittwoch (20.15 Uhr).

Tochter Susanne Neuendorff (Anneke Kim Sarnau) möchte eigentlich mit Mann und Kindern in den lang ersehnten Thailand-Urlaub. Da ihre Mutter aber betreut werden muss und auf die Schnelle keine Hilfe zu organisieren ist, nimmt sie die Gehasste mit auf den Trip. So lautet der Filmtitel dann „Die Diva, Thailand und wir!“.

Und die Mutter gibt alles: Schon beim Betreten der Wohnung in Deutschland ordert sie statt Tee erstmal Wodka-Zitrone, sie klingelt nach der Tochter und faucht die Enkelin an: „Musst du vielleicht chatten oder twittern oder irgendwas aus deinem langweiligen, pickeligen Teenieleben posten?“ In Thailand angekommen schimpft sie: „Sonne, Strand und Palmen: Die perfekte Umgebung für Proleten und tödliche Bakterien.“ Mit ihren Allüren und ihrer ganzen Art regt sie - natürlich - die gesamte Familie auf, allen voran Tochter Susanne.

Elsner und Sarnau sind wunderbare Kontrahentinnen in dieser Konstellation. Sarnau kann der 74-Jährigen die Stirn bieten, spielt auf Augenhöhe. Die Autoren Aglef Püschel und Franziska an der Gassen haben die beiden Figuren auf einfache Weise konträr angelegt: Hier die extravagante Mutter, die sich zeitlebens mehr um die Karriere als um ihre Tochter geschert hat. Da die Tochter, die Struktur und Ordnung liebt und in ihrer eigenen Familie alle Fäden beisammen halten will. Die Wortgefechte lohnen sich. Frei nach dem Arientitel aus der Zauberflöte: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“.

Leider hält das aber nicht mal die erste Hälfte des Filmes an. Dann flacht das Ganze ab und aus dem unterhaltsamen Kammerspiel wird ein familientauglicher Mittwochabendstreifen. Die Geschichte nimmt dabei eine merkwürdige, bisweilen überflüssige Wendung: Als nach einem Streit Susanne und ihr Mann getrennte Wege gehen wollen, kümmert sich die sonst so gefühlskalte, egoistische Großmutter um ihre Enkel, lädt sie zu verbotenen Geheimaktionen ein, tröstet die Tochter und verliebt sich gar in einen Urlaubsflirt.

Das einzige, womit sich die Komödie jetzt noch ihren Namen verdient, sind zwei Drogenmuffins. Mit denen versorgt die Diva sich und ihre Tochter. Das wirkt aber eher verkrampft und nur noch halb so lustig wie die Streitereien am Anfang. Verlauf und Finale des Films sind berechenbar - bleibt Zeit für ein bisschen Thailandkulisse.

Quelle: dpa