MedienSoirée Claude Chabrol

© dpa/Werner Baum
Claude Chabrol mit Pfeife (1992).
Soirée Claude Chabrol

Das Werk so manchen Schauspielers oder Regisseurs möchte man gern öfter im Fernsehen sehen - oder zumindest geballt an einem Abend. So hat das Publikum dann die Chance, sich eingehender mit ihm zu befassen.

Nun besteht die Möglichkeit dazu, in der „Soirée Claude Chabrol“. Gleich zwei Filme des Meisters werden nacheinander gezeigt: „Die Hölle“ und „Betty“ sind an diesem Montag (20.15/21.55 Uhr) auf Arte zu sehen.

Zuerst ist im Film „Die Hölle“ (1994) ein glückliches Paar zu sehen, das frisch verheiratet ist: Nelly (Emmanuelle Béart) und Paul (François Cluzet). Ihr kleiner Sohn macht ihnen viel Freude, und das von ihnen betriebene Hotel - an einem hübschen See in Südfrankreich gelegen - läuft ganz ordentlich. Paul ist dennoch voller Sorgen, denn er kann die Kredite kaum zurückzahlen. Er glaubt zunehmend, dass seine hübsche Gattin ihn betrügt.

Bald ist er überzeugt davon, dass sie eine Affäre mit dem Automechaniker Martineau (Marc Lavoine) hat. Paul beschattet Nelly, verfolgt und verprügelt sie - bis nicht nur sie genug hat von seinen Wutausbrüchen, sondern auch so mancher Hotelgast. Paul gerät in eine immer absurdere Gedankenwelt, weiß nicht mehr zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden, und in seinen zunehmenden Wahnvorstellungen schreckt er auch vor Mord nicht zurück. Die unheilvolle Geschichte („L'Enfer“) einer Ehehölle wird aus Pauls Sichtweise erzählt und sollte schon 1964 vom Regisseur Henri-Georges Clouzot verfilmt werden, mit Romy Schneider und Serge Reggiani. Die Innenaufnahmen waren bereits abgedreht, doch aufgrund von Krankheitsfällen wurde das Projekt stillgelegt - für 30 Jahre.

In „Betty“ (1992) um 21.55 Uhr ist das Unheil gleich zu Beginn zu sehen: Betty (Marie Trintignant), eine Frau um die 30, findet sich in einer Bar mit dem passenden Namen „Le Trou“ („Das Loch“) im Pariser Vorort Versailles wieder. Die dort ebenfalls reichlich trinkende Professorenwitwe Laure (Stéphane Audran) bringt sie in ein nicht weniger schmuddeliges Hotel. Allmählich freunden sich die beiden Frauen an, und Betty erzählt die Geschichte ihrer unglücklichen Ehe: Sie ist aus dem Haus geworfen worden, ihre Kinder hat sie nicht mehr sehen dürfen. Obwohl sich Laure rührend um sie kümmert, beginnt Betty eine Affäre mit Laures Freund - mit verheerenden Folgen. „Betty“ ist nach „Die Fantome des Hutmachers“ (1982) Chabrols zweite Adaption eines Romans von Georges Simenon.

In beiden Filmen beleuchtet der französische Regisseur Claude Chabrol (1930-2010) die Ausweglosigkeit seiner weiblichen Hauptfiguren, die beide wie in einem Käfig gefangen erscheinen - auch wenn „Die Hölle“ aus Pauls Perspektive inszeniert ist. Es geht jeweils um verzweifelte Mütter, um Eifersucht, Obsessionen und verletzte Gefühle. Der Missbrauch von Tabletten und Alkohol spielt in beiden Geschichten eine gewisse Rolle. Die zwei Filme sind klug ausgewählt, weil sie zu den weniger bekannten und auch unterschätzten Werken des Regisseurs gehören.

Sehenswert sind vor allem die Hauptdarstellerinnen: Marie Trintignant („Die Liebenden von Pont-Neuf“), die Tochter des Schauspielers Jean-Louis Trintignant, wurde nur 41 Jahre alt - hat aber eindrucksvolle Filme hinterlassen. Was für Stéphane Audran (84, „Babettes Fest“) nicht weniger gilt - und sie war von 1954 bis 1956 erst mit Trintignant, dann von 1964 bis 1980 mit Claude Chabrol verheiratet. Der Regisseur setzt also nicht nur auf formidable Schauspielerinnen, sondern auch auf Familienbande. Den Zuschauer dürfte das freuen - der Abend für und mit Claude Chabrol ist gut angelegt.

Quelle: dpa