MuseenPierre Cardin: Ich hinterlasse eine Weltsicht

© dpa/Yoan Valet
Pierre Cardin will der Nachwelt seinen Stil hinterlassen.
Pierre Cardin: Ich hinterlasse eine Weltsicht

In dem Modetempel mitten im Zentrum der französischen Hauptstadt werden 200 Haute-Couture-Modelle von Cardin ausgestellt, die bislang im Pariser Vorort Saint-Ouen zu sehen waren. Durch den Umzug erhofft sich der steinreiche Unternehmer mehr Besucher.

Frage: Der Modeschöpfer Pierre Cardin ist weltbekannt. Dennoch hat der Name nicht ausgereicht, um in Saint-Ouen genügend Besucher anzuziehen. Haben Sie Ihren Ruf überschätzt?

Antwort: Saint-Ouen ist ein Vorort im Norden von Paris mit vielen sozialen Problemen. Das Museum lag zudem an einer breiten Straße. Mit rund 8000 Besuchern pro Jahr kann ich kein Museum unterhalten.

Frage: Man hat Sie das „Enfant terrible“ der Mode genannt. Hat Sie das gestört oder eher geschmeichelt?

Antwort: Ich bin kein „Enfant terrible“. Ich bin ein diskreter, ehrgeiziger Mann. Ich lebe zurückgezogen und bin vor allem ein Arbeitstier.

Frage: Sie haben mit vielen neuen Formen und Materialien gespielt. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Antwort: Meine Inspirationsquellen sind meine Erfahrungen, meine Gedanken. Mich kann alles inspirieren, ein Kamin, eine Vase. Vor allem aber habe ich immer mein Innenleben nach außen projiziert.

Frage: Sie widmen sich seit mehr als 50 Jahren der Mode. Was bedeutet für Sie Mode?

Antwort: Mode ist in erster Linie sozial, sie schafft Arbeitsplätze, Geschäfte und Unternehmen. Ohne Mode gäbe es viele Arbeitslose, ohne Mode gäbe es auch nicht dieses Paris, das Sie kennen.

Frage: Aber Mode ist doch auch Kreativität?

Antwort: Natürlich, Mode ist ein Handwerk, vor allem aber eine Kunst. Ich habe schon als Kind alles Kreative und Schöne geliebt.

Frage: Und was ist Schönheit für Sie?

Antwort: Schönheit ist vor allem eine Frage der Sensibilität.

Frage: Und Eleganz?

Antwort: Eleganz ist eine Art und Weise zu denken und auszuwählen. Jemand kann mit wenig elegant sein, so wie jemand mit viel vulgär sein kann.

Frage: Mit dem Museum wollen Sie der Nachwelt Ihr Erbe hinterlassen. Wie sieht der Nachlass genau aus?

Antwort: Ich hinterlasse einen Stil, eine Persönlichkeit, vor allem aber eine Weltsicht.

Frage: Und wie sieht die aus?

Antwort: Das soll nach dem Besuch des Museums jeder für sich beurteilen. 

ZUR PERSON: Pierre Cardin wurde am 2. Juli 1922 als Pietro Costante Cardin in der Nähe von Venedig geboren. Mit seinen Eltern zog er 1944 nach Paris, wo er als Modezeichner seine Karriere im Haus Paquin begann. Er arbeitete unter anderem für Elsa Schiaparelli und Christian Dior, bevor er mit seinen eigenen Kollektionen für Aufsehen sorgte. Er gilt als Miterfinder der futuristischen Mode.

Quelle: dpa