RekordeRekord: Fast 12 000 Schüler üben Reanimation

© dpa/Friso Gentsch
Ein Schüler mit einer aufblasbaren Reanimationspupp.
Rekord: Fast 12 000 Schüler üben Reanimation

Vor dem Münsteraner Schloss lernten und übten sie am Dienstag, wie man Menschen bei einem plötzlichen Herztod richtig hilft: prüfen, ob der Patient noch atmet. Wenn nicht: Notruf 112 absetzen, anschließend die überlebenswichtige Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes mit einer Herzdruckmassage überbrücken.

Wie es geht, einen Menschen ins Leben zurückzuholen, erklärt Dr. Peter Brinkrolf 11 850 Schülern aus Münster und dem Umland. Sie sind gekommen, um einmal auszuprobieren, wie es sich anfühlen könnte, Lebensretter zu sein. Vor allem aber wollen sie dabei sein, um es mit der Aktion ins Guinness-Buch der Rekorde zu schaffen. Die Bestmarke lag bisher bei 7909 Teilnehmern und wurde in Singapur aufgestellt.

Während sie sich über ihre aufblasbaren Reanimationspuppen beugen, mahnt Brinkrolf: „Das könnten eure Großeltern sein oder Eltern.“ Heute aber ist es nicht der Ernstfall, sondern macht Spaß und soll zeigen: Leben retten ist kinderleicht. „Das einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu machen“, sagt Intensivmediziner Hugo Van Aken. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, die mit weiteren Partnern noch bis zum 22. September die bundesweite „Woche der Wiederbelebung“ ausgerufen hat. Mit Spots, Schulungen und Werbeaktionen soll in der Bevölkerung für die lebensrettenden Maßnahmen geworben werden.

Gerade hierzulande bestehen hohe Hemmschwellen, im Notfall zupackend zu handeln. Während in Deutschland nur zwei von zehn Menschen richtig reagierten, wenn in ihrer Nähe jemand einen Herzstillstand erleide, seien es in den Niederlanden sechs von zehn, sagen die Experten. Damit sich das ändert, wollen die Mediziner mit der Masseschulung medienwirksam bei den jungen Leuten ansetzen. Demnächst soll Wiederbelebung an nordrhein-westfälischen Schulen sogar zwei Stunden pro Schuljahr unterrichtet werden.

Der Testlauf vor dem Schloss in Münster kommt jedenfalls gut an. Bei Hannah Bähr (24) liegt der Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein schon etwas zurück. „Nur wenn man es immer mal wieder ausprobiert und lernt, kann man im Ernstfall reagieren“, sagt sie. „Das geht ganz schön in die Arme“, stellen Fritz und David (beide 9) nach vier Minuten drücken fest. Beide haben das erste Mal eine Herzdruckmassage gemacht. „Wenn ich mal in so einer Situation wäre, dann wäre ich ganz schön geschockt“, sagt die neunjährige Nelly. „Aber jetzt weiß ich, was man machen soll.“ Und mit ihr wohl mehr als 11 800 weitere Teilnehmer der bisher weltgrößten Wiederbelebungsschulung.

Quelle: dpa